7 Berufe prägen eine Frau
Langsam kommt sich die Finanzmanagerin wie ein Goldesel vor, der auf Zuruf von Kindergarten und Schule permanent Geld erzeugen soll: hier ein weißes T-Shirt für die Osterüberraschung, dort eine Chorfahrt, hier der Eintritt für den Schulausflug im Fach Deutsch, dort der Eintritt für den Schulausflug im Fach Mathematik.

photo credit: schillergarcia
Ich weiss nicht, wie andere Familien das schaffen, aber ich habe mal angefangen auszurechnen, wieviel ein Kind kostet:
Lt. einer Studie des Statistischen Bundesamtes “Einkommensverhältnisse von privaten Haushalten und ihre Ausgaben für Kinder” kostet ein Kind im Schnitt im Monat 549 EUR. Diese Zahl variiert je nach Alter des Kindes, je nach Anzahl der Geschwister und je nach Nettoverdienst der Erziehungsberechtigten.
Bis unter 6-jährige kosten 468 EUR, bis unter 12-jährige werden schon deutlich teurer (568 EUR) und Teenies schließlich verbrauchen sogar 655 EUR.
Addiert wurden folgende Kosten:
Essen, Trinken
Kleidung, Schuhe
Wohnen
Essen gehen
Eintritte für Kino, Theater, Museum, Freizeitpark, Bücher, CD, Sportverein
Fahrkarten für Bus und Bahn
Duschgel, Schminkutensilien, Lippenstift
Handy
Soweit das Statistische Bundesamt. Details zu den einzelnen Kosten liefert das BMFSFJ.
Da ich annehme, dass die Kinder wohl 18 Jahre bei uns wohnen werden, ergibt das für die Finanzmanagerin die unfassbare Summe von:
12 Monate mal 549 EUR mal 18 Jahre = 118.584 EUR.
In den 549 EUR pro Monat fehlen die Kosten für:
Klassenfahrten
erhöhte Urlaubskosten, weil man gezwungen ist, in den überteuerten Schulferien in Urlaub zu fahren
Kosten für private Kinderbetreuung
Geschenke Weihnachten und Geburtstag
Bei uns fallen dafür durchschnittlich zusätzliche 62,70 EUR monatlich an.
(weitere sehr anschauliche Kosten liefert Frau–äh–Mutti)
Damit ist die Rechnung allerdings noch nicht beendet.
Diese Rechnung beachtet nämlich nicht den Zinseszinseffekt.
Hätten wir keine Kinder, könnten wir 549 EUR + 62,70 EUR = 611,70 EUR jeden Monat sparen. Die Finanzmangerin recherchiert und legt diese Summe monatlich in einem einfachen Bonussparprogramm an. Nach Ablauf von 18 Jahren stünden uns dann ganze 217.933,19 EUR zur Verfügung.
Damit ist die Rechnung allerdings noch nicht beendet. Die Rechnung berücksichtigt nämlich nicht die entgangenen Einnahmen, weil der Erziehende sein Erwerbseinkommen für die Zeit der Kinderbetreuung reduziert.
Lt. Statistischen Bundesamt lag das durchschnittliche Erwerbseinkommen 2005 bei 33.700 EUR netto.
Es gibt keine statistische Erhebung über den Einkommensverlust durch Kinder.
Da die individuellen Auswirkungen der Einnahmenreduzierung sicherlich sehr stark schwanken, kann ich nur aus dem Durchschnittseinkommen und der Annahme, dass ein Erziehungsberechtigter für die ersten 6 Jahre nur eine Teilzeitarbeit ausfüllen kann, folgenden Wert ableiten:
Bei einem Durchschnittseinkommen von 33.700 EUR netto für eine Vollzeitstelle reduziert sich das Einkommen um die Hälfte, wenn dieselbe Arbeit in Teilzeit ausgeführt wird.
Somit beträgt der Einkommensverlust: 16.000 EUR netto pro Jahr mal 6 Jahre Kinderbetreuung inclusive Zinseszinseffekt = 128.016,37 EUR.
Damit ist die Rechnung allerdings noch nicht beendet. Als Eltern verzichten wir auf Konsum (hier wird nicht berücksichtigt, dass der Konsumverzicht auch positive Seiteneffekte haben kann), damit wir die Kosten für unsere Kinder aufbringen können. Wir sind unzufrieden, verlieren unseren gesellschaftlichen Status. Statt des Mercedes Caprio steht nun ein FIAT Multipla vor dem Haus, statt des englischen Rasens findet man einen Bolzplatz hinterm Haus und statt des schicken Kostümchens sieht man die Erzieherin nun auch mal in ausgefranster Jeans und Sweatshirt mit Flecken.
Ich traue mir hier nicht zu, diese Unzufriedenheit monetär zu bewerten.
Insgesamt kostet ein Kind:
218.000 EUR tatsächliche Kosten + Zinseszins
plus 128.000 EUR entgangene Einnahmen
plus xxx EUR gefühlter Konsumverzicht ergibt
Vier Kinder kosten etwas mehr, ohje!
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Sieben Jobs täglich bewältigen wir berufstätigen Mütter im Minimum, das ist wirklich kein Grund sich zu verstecken. Organisation, Abstriche und Leichtigkeit sind notwendig, um nicht unterzugehen.
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Idolisator « -Thousand Sunny's Weblog-
21. Oktober 2009 um 22:51 Uhr
[...] immer wenn ich so etwas lese oder dieses hier, immer werden die Wohltaten von den Eltern finanziert und im Namen Gottes… äh der [...]
sam
3. November 2009 um 19:35 Uhr
Sehr schöne Rechnung. Nur eine kleine Bitte dabei: Wenn schon, dann bitte richtig. Ziehen wir mal das kleine bisschen Kindergeld, Erziehungsgeld, Steuerfreibeträge etc. von der Gesamtsumme ab. Um mal im rein finanziellen Sektor zu bleiben, denn darum geht’s ja hier.
Klar sind Kinder trotzdem noch ein riesiger Kostenfaktor. Nur finde ich, wenn man schon Zinsen und entgangenen Löhne berechnet, dann auch die finanziellen Ermäßigungen, auch wenn es nicht viel ist.
L. G., Sam.
Petra
4. November 2009 um 12:27 Uhr
@Sam: Herzlich Willkommen! Dein Einwand ist völlig richtig, ich hatte die Nettorechnung auch schon fertig, habe mich dann aber doch für einen BRUTTO-Artikel entschieden. Die EinnahmenSeite kommt dann nochmal als extra Artikel, aber danke für den Hinweis.