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Manchmal ist mir das ganze social media zu weich, zu lieb, zu widerspruchslos.
Statt in einem Blog zu widersprechen, lösche ich ihn lieber aus meinem feedreader. So entgehe ich der Konfrontation und bin auch nicht gezwungen einen Standpunkt zu beziehen.
Immer wieder lese ich als Entgegnung auf einen Widerspruch: “Wem es hier nicht gefällt, der braucht ja nicht mitzulesen!” Das ist sicherlich richtig, aber wo kommen wir ohne Diskussion, ohne Dialektik hin?
Jeder erzählt von sich, aber Kommunikation im Sinne von Rede und Gegenrede findet nicht statt.
Warum eigentlich nicht? Ist das zu anstrengend, ist das zu uninteressant, will man sich nicht festlegen?
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Sylvia
14. April 2010 um 09:07 Uhr
Das ist eine mutige Frage.
Ich habe zu oft in gut frequentierten Blogs mit großer Fangemeinde mitgelesen, wie kritische Kommentatoren abgebügelt wurden. Teils durch die Blogschreiber selbst, teils durch die Fangemeinde.
Da ich mir das nicht antun muss, lösche ich inzwischen immer öfters Blogs aus meinen Favoriten.
Andererseits bin ich dann von mir selbst enttäuscht, weil ich denke, bei dem einen oder anderen nicht ganz unwichtigen Thema sollte eben doch jemand andere Aspekte bringen, fachlich berichtigen oder einfach “nur” sinnvoll Contra geben.
In meinem eigenen Blog ist mir bisher noch nie jemand auf die Füße getreten, aber ich habe auch nur wenige Leser. Keine Ahnung, wie ich reagieren würde. Zwar behaupte ich jetzt mal, dass ich mich mit Kritik auseinandersetzen würde, aber vermutlich kommt das auch auf den Kontext und das Thema an.
.-= Sylvia´s last blog ..Zukunftslabor Grundschule ??? =-.
Andrea
14. April 2010 um 10:27 Uhr
“Manchmal ist mir das ganze social media zu weich, zu lieb, zu widerspruchslos.”
Aber Social Media im Sinne von Kunde gegenüber Firma, da ist auch noch einiges zu lernen.
Gerade wenn Twitterer sich über diese oder jene Dienstleister beschwerden (mit Link zu richtigen Beschwerdeblogs), da findet man überhaupt niemand, der im Namen der Firma ein mildes Wort, eine Entschuldigung oder sowas mitmischen.
Dabei wäre es ein leichtes Spiel zu “lesen” und erkennen, dass Kunden nicht zu frieden sind.
Neulich wurde einen Flug von Paris aus nach Deutschland gestrichen. Meldete einer Fluggast via Twitter sowas ähnliches wie “Ja #Lufthansa –> Flug [sowie-so] gestrichen, wie komme ich nach Hause? Prompt kam der gegentweet: Gehen Sie zu Terminal [so-und-so], dort wartet jemanden mit ersatz Flugmöglichkeiten auf sie…
Das ist eine Seltenheit. Öfters gibt es nur gemecker und ahnunglose (oder uninteressierte) Dienstleister…
(Dazu gibt es auch @KundeWehrDich… eine Stelle für beides: Beschwerden und Abhilfe, sollten die Dienstleister daran interessiert sein!)
trampelpfade
14. April 2010 um 10:52 Uhr
Es ist wirklich eher die Angst etwas zu sagen. Es ist nicht nötig. Wenn ich da so an mich denke –
Zuhause mit den Kindern da muss ich Kritik üben, mich mit Lehrern etc. auseinandersetzen –
Im Netz ist es nicht notwendig – ich kann die Personen filtern mit denen ich etwas zu tun haben möchte. Das geht im realen Leben nicht.
Allerdings wünschte ich mir in meinem Blog öfter mal Diskussionen – aber ob ich mich dann richtig verhalte?
Weiß ich genausowenig wie im richtigen Leben
Mella
.-= trampelpfade´s last blog ..Blutlinie von Cody McFadyen =-.
ruediger
14. April 2010 um 11:10 Uhr
Den Autor eines Blogs aufgrund eines seiner Artikel oder Kommentare erfolgreich zu kritisieren ist sehr stark abhängig von der Form, wobei wenn ich es recht überlege, auch wieder nicht. Das ist vielleicht so ein “Solange Deine Füße unter meinem Tisch sind” Ding , oder mangelnde Streitkultur, oder fehlende Kritikfähigkeit.
Aufgrund meiner Erfahrungen im Alltag glaube ich jedoch auch, dass eine geschriebene Kritik aufgrund seiner Nachlesbarkeit einen zu endgültigen Charakter hat und deswegen davor zurückschrecken. Da gebe ich Dir gerne Recht. Zudem ist es nicht jedem gegeben, sich mit geschriebenen Worten mit einer Kritik auseinander zusetzen oder gar zu diskutieren. Das sind dann die Sorte Menschen, die einem im Zuge eines Disputes nur zu gerne anschreien/nieder schreien wollen.
m2c: Selbst halt ich mich komplett aus kritischen Beiträgen raus, selbst wenn der Autor völligen Unfug schreibt. Es ist zu dem Zeitpunkt seine Meinung, die nehme ich so hin und lasse sie gelten. Manchmal muss ich mich zwar zusammenreißen, aber das ist nun mal so. Erst wenn im Beitrag die Aufforderung kommt, als Leser sich kritisch damit auseinander zu setzen, melde ich mich ggf. zu Wort. Ich bin nicht feige oder weich, ich geben meine Senf nur dann hinzu, wenn er gewünscht wird.
Du löschst direkt, beim ersten “Vergehen”? ich warte ab, ob das ein Ausrutscher war, ab dem 3. fliegt das Blog aus dem Reader.
.-= ruediger´s last blog ..Am schlimmsten =-.
Frau ... äh ... Mutti
14. April 2010 um 11:24 Uhr
Ich halte men Blog nicht für eine Plattform zur Diskussion. Ich schreibe so vor mich hin, manchmal (selten) vielleicht auch polarisierend. Und ich gehe selten auf Kommentare, egal ob sie zustimmend, hinterfragend oder kritisierend sind. Dazu fehlt mir die Zeit und meistens ist das Thema für mich, so es geschrieben ist, für den Moment erledigt. Und allermeistens schreibe ich sowieso nicht zeitnah, sondern greife Vieles auf, das schon Wochen zurückliegt. Ich schreibe also erst, wenn ich selbst fertig mit dem Thema bin.
Diskussionen, die sich in den Kommentaren entwickeln, lasse ich zu, es sei denn sie gehen zu sehr unter die Gürtellinie.
Klar, es ist meine Spielwiese, aber damit argumentiere ich nicht, denn ich mag ja die Kommentare :)
Bei mir darf man kritisieren, aber ich gebe keine Garantie darauf, dass ich darauf eingehe. Mein Blog ist mir dafür nicht wichtig genug.
.-= Frau … äh … Mutti´s last blog ..sonniges Kaffeepäuschen =-.
Petra
14. April 2010 um 11:26 Uhr
@ruediger: Statt Mittagspause schnell mal eine Antwort: nein ich lösche nicht beim ersten Vergehen. Beim erneuten Lesen des Beitrags ist mir mal wieder aufgefallen, dass ich ICH schreibe, aber MAN meine. Ich lösche erst, wenn mir die Meinung, meist eher die verbalen Entgleisungen oder die Arroganz oder oder unerträglich wird und ich auf zaghafte, wohlformulierte Einwände direkt unflätig angemobbert werde. Kritik muss ja nicht immer böse sein, man kann ja auch einfach mal diskutieren. Aber selbst gegenteilige Meinungen sind nicht immer und überall erwünscht. Auf jeden Fall in der von mir besuchten MOMBlog-Welt. Die Wahrnehmung ist ja sehr selektiv, vielleicht ist es bei IT-Blogs oder KirchenBlogs anders?
Petra
14. April 2010 um 11:29 Uhr
@trampfelpfade: Wer verhält sich schon immer richtig? :-) Aber eine normale Diskussion finde ich nciht so schwierig zu überstehen. Die konstruktiven Einwände, Einsprüche wünschte ich mir sehr. Blödes Angeschimpfe würde ich auch nciht so gerne mögen, weder hier noch im normalen Leben.
Petra
14. April 2010 um 11:29 Uhr
@Andrea: super Beispiel. Danke!
Petra
14. April 2010 um 11:31 Uhr
@Sylvia: Ich finde, es kommt immer auf die Form des Widerspruchs an. Einwände an sich finde ich klasse, denn jeder hat seine eigene Meinung und keiner kann den Anspruch erheben in weichen Fragen eine absolute Erkenntnis zu besitzen. Aber es macht einen Unterschied, ob ich einen Einspruch erhebe oder ob ich blöd rum motze. Das finde ich dann auch daneben. Häufig findet man das ja in Foren, diese militanten Besserwisser. Das mag ich nicht.
Sylvia
14. April 2010 um 11:38 Uhr
Petra, ich finde auch, gerade in der MOMBlog-Welt (schöner Begriff !) ist Kritik sowas von unerwünscht. Das muss eine hormonelle Geschichte sein ;-)
Teilweise kann ich es allerdings verstehen, denn Windelblogger müssen sich sowieso schon im RL mit so vielen verschiedenen sinnvollen und sinnlosen Ratschlägen herumärgern, dass sie oft dünnhäutig sind.
Zudem weiß man als Leser manche Details einfach nicht. Mir ging es einmal in einem an sich themenbezogenen Forum ähnlich: Es haben mir eben auch neue User, die selbst in der Thematik gar nicht so wirklich drin waren, “tolle” Tipps gegeben. Das ist lieb gemeint, aber nicht hilfreich, und wenn man dann fachbezogen antwortet, ist der andere schnell beleidigt.
.-= Sylvia´s last blog ..Zukunftslabor Grundschule ??? =-.
Petra
14. April 2010 um 11:47 Uhr
@Frau..äh..Mutti: Herzlich willkommen! Ich lese bei Ihnen regelmäßig mit und mir ist auch schon aufgefallen, dass Sie sich zu den Kommentaren nicht äußern. Aber solange Schreiber und Kommentierer damit an einem Strang ziehen, ist ja alles in Butter. Diskussionen können ja auch zwischen den Kommentatoren stattfinden, ich finde es nicht zwingend, dass der Blogschreiber wie ein Animateur dabei mitmischt. Bei mir ist es anders: ich stelle häufig Meinungen zur Diskussion (bilde ich mir ein) aber die Diskussion wird nicht aufgegriffen. Blogwelt ist eben genauso vielfältig wie echtes Leben. :-)
Petra
14. April 2010 um 11:50 Uhr
@Sylvia: ist doch fein, so ein Frauenleben, oder? wir können immer alles auf die Männer oder die Hormone schieben :-) :-) (gibt es ein Zeichen für IRONIE, oder eines für SARKASMUS?) Aber Du hast wahrscheinlich Recht: vielleicht ist Diskussion im Web wirklich schwierig: Tips geben ist heikel, widersprechen ist schwierig, diskutieren ist aufwendig, heile Welt ist langweilig, ….was bleibt da noch?
ruediger
14. April 2010 um 12:55 Uhr
@Petra
danke fürs opfern der Mittagspause.
Kritik ist per se nicht böse und doch muss der Kritisierte sich auch charakterlich damit auseinander setzen können und wollen.
IT-Blogs oder im weitesten Sinne “Fachblogs” ticken vollkommen anders als private Blogs, so wie wir sie betreiben. [ironie] Da tummelt sich die echte Creme an Spezialisten und Fachleuten, das macht keinen Spaß für Menschen, die gelegentlich etwas besser wissen oder kritisch anmerken möchten. Ich nenne diese Blogstammbevölkerung für mich gerne Bl.ogfasch.isten. [/ironie] Meiner Meinung nach wollen Fachblogs i.d.R. nur konsumiert und teilweise beklatscht werden.
.-= ruediger´s last blog ..Am schlimmsten =-.
Andrea
14. April 2010 um 13:06 Uhr
*kicher* und so eine rege Unterhaltung, wie nett! (dabei denke ich zurück an jene Tage, als es hier stand: Ich habe fertig — oder sowas ähnliches — hach, wie schön einen Augenblick bei Petra in der Mittagspause (o: )
Frische Brise
15. April 2010 um 21:47 Uhr
Ich habe jetzt eine Weile darüber nachgedacht…
Vielleicht liegt es daran, daß man von völlig Fremden kritisiert wird?
Von Freunden oder Bekannten nimmt man Kritik einfach leichter an.
.-= Frische Brise´s last blog ..11 Monate kleiner Bruder =-.
ramona
20. April 2010 um 08:24 Uhr
meistens ist es nichtz die Kritik selbs- damit kann ich gut umgehen, sondern die Art und Weise, wie sie angebracht wird. Das geht oft schon sehr schnell unter die Gürtellinie und wird beleidigend. Ich möchte keine heile Welt, sondern durchaus Auseinandersetzung, aber bitte auch gegenseitige Achtung.
.-= ramona´s last blog ..Sonne satt =-.