Ich weiß derzeit nicht, ob ich die Selbständigkeit noch empfehlen kann und soll.

Bisher war ich mir ganz sicher:
für bodenständige Menschen, die sich gerne selber organisieren, die qualitätsbewußt und pflichtbewußt sind, für die Kundenzufriedenheit noch einen Wert darstellt, die nicht arrogant sind und ein gute Umgangsformen haben,
all denen habe ich sofort zugeredet und die Wege in die Selbständigkeit unterstützt.

Aber im Moment:
+ die Kreditvergabe ist der Horror für Selbständige. Es ist auch egal, ob man Freiberufler, Personen- oder Kapitalgesellschaft ist. Da hilft auch die Anweisung des Finanzministers ‘Seid nett zu den Mittelständler’ nichts.
+ Der Verbraucherschutz tötet Produktideen. Selbst Verträge schützen nicht mehr davor, dass der Verbraucher bei der Produktübergabe das Produkt auf Grundlage seiner aktuellen Stimmungslage prüfen darf und nicht mehr an die Vertragsgrundlage gebunden ist.
+ Die Steuerlast behindert Reinvestitionen. Wer verschachtelte Betriebs-Besitzgesellschaften-Konstruktionen und sonstige Firmenverstrickungen meiden möchte, weil er als Selbständiger gerne seine Firma selber überblicken möchte und unabhängig vom Steuerberater sein möchte, der stößt schnell an seine Investitionsgrenzen.
+ Der allgemeine Neid und sinnlose Kommentare wie ‘Du kannst doch alles abschreiben’ und ‘Du zahlst Dir Dein Gehalt ja selber aus, dann erhöhe es doch einfach’ lassen einen an manchen Tagen verzweifeln.

Wer wirklich Unternehmer ist, merkt es daran, dass er sich von meinem Gejammer nicht abschrecken läßt.
Jeder der jetzt Zweifel bekommt, sollte sich NICHT selbständig machen, denn der Wind weht rauher und je nach Geschäftsidee ist das Scheitern leider sehr teuer.

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