Wir haben eine interessante Beobachtung gemacht.

Unsere Grundschule vermittelt Lerninhalte nach dem Konzept des Wochenplans.

External Memory - Analog saved me
Creative Commons License photo credit: Christmas w/a K

Jeden Montag erhält jedes Kind einen Wochenplan, der das Lernpensum der gesamten Woche enthält. Das Kind kann nun selbständig den Stoff erarbeiten, sich eigene Schwerpunkte setzen, das Lernen geschickt über die Wochentage verteilen, aber am Ende der Woche sollte alles erledigt sein. Das Kind dokumentiert eigenständig, was erledigt wurde und kann der Lehrerin seine Lösungen zeigen.

Die Wochenpläne bieten die Offenheit, das Kinder unterschiedliche Aufgaben bekommen, obwohl sie in einer Klasse sind. Eine individuelle Förderung wird so leicht gemacht, ohne dass das Kind dadurch ausgegrenzt wird, weder im positiven als Streber noch im negativen als Blödmann.

Die Kinder verlieren so vollständig die Angst vor neuen Aufgaben, können sich gut organisieren, kennen keine Langeweile, weil sie ja nie warten müssen, bis auch der letzte den Lernstoff verstanden hat.

Nun kommen diese aufgeweckten Kinder ins Gymnasium. Dort heißt es stillsitzen, Frontunterricht und Lernen im Klassenverband. Den Kinder ist langweilig, sie fragen zu häufig ‘WARUM’ und bekommen darauf keine Antwort, die Kinder fangen an zu quatschen, sind damit unaufmerksam und verpassen dann wichtigen Lernstoff. Ein Teufelskreis.

Nicht in allen Fächern ist dies so, denn es gibt durchaus tolle mitreißende Lehrer.

Ein Lehrer, der nicht beliebt ist, weil er inkonsequent ist und Lieblinge in der Klasse bevorzugt, erzeugt bei Kind1 besondere Ablehnung. Ablehnung bedeutet, das Fach ist doof und der Lernwille sinkt gegen NULL.

Nun hat aber genau dieser Lehrer den Wochenplan für sich entdeckt. Ganz neu setzt er ihn nun ein und hat den Kindern Lernziele gesteckt, Aufgaben dazu an die Hand gegeben und am Ende der Woche wird das Wissen abgefragt. Der Lehrer hat den Kindern vorgegeben, in welcher Reihenfolge sie die Aufgaben im Wochenplan bearbeiten sollen. Somit hat er seine Idee selber ad absurdum geführt, weil er aus der tollen Idee WOCHENPLAN nun ’1 Woche mit Hausaufgaben’ gemacht hat.

Aber nicht für Kind1. Kind1 hat rebelliert und den Wochenplan so verstanden und bearbeitet, wie es es in der Grundschule gelernt hat. Erst das Basiswissen, dann mal eine Aufgabe dazu lösen, dann das Basiswissen vertiefen usw.

Am Ende der Woche hat Kind1 die Wissensabfrage der Lehrerin ohne meine zusätzliche Nachhilfe sehr erfolgreich bestanden.

Erfolg 1: das Kind hat rebelliert und seine eigenen Lernvorstellungen umgesetzt

Erfolg 2: Kind1 ist in der Lage ein eigenes erfolgreiches Lernkonzept umzusetzen

Erfolg 3: nicht das Fach ist Schuld an den bisherigen schlechten Noten, sondern die Lehrstoffvermittlung.

Alle drei Erfolge sind wichtig und gut, aber leider total deprimierend, weil die WochenplanIdee im Gymnasium bereits wieder abgeschafft wurde und nun der normale Trott wieder angefangen hat.

keine verwandten Artikel