Karriereberatung: 7 Berufe prägen eine Frau
Es gibt es wirklich: 500 gr Brot für 55 Cent!
Zum ersten Mal habe ich davon in der Chemnitzer Studie gelesen und konnte es nicht glauben.
Aber neulich im LIDL habe ich es gesehen: dort liegt ein geschnittenes Graubrot im Regal für 55 Cent.
Für 55 Cent wurde
gesät, geerntet, eingefahren, gemahlen, Mehl abgepackt, Mehl transportiert, Teig gemischt, gebacken,
geschnitten, Plastiktüte hergestellt, verpackt, transportiert, ins Regal geräumt, verkauft.
Und jeder Teilnehmer dieser Lieferkette hat etwas verdient. Das kann doch nicht funktionieren?
Ich möchte gerne wissen, mit welchen Mehlresten und unter welchen Arbeitsbedingungen von wem dieses Brot hergestellt wurde. Entweder ist die Brotproduktion immer so billig, dann werde ich beim richtigen Bäcker mit dem Brotpreis von 2,79 EUR abgezockt, oder dieses Brot ist unwürdig billig, dann sollte man es nicht anbieten dürfen.
Diese Scheinheiligkeit fällt mir schon lange auf: hier für die 35 Stunden Woche auf die Straße gehen, aber Brot für 55 Cent aus Korea kaufen, wo das Mehl mit Menschenkraft gemahlen wird, von Menschen, die von einem 12 Stunden Tag nur träumen können.
Das ganze Experiment:
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Tag 19: Kann man von Hartz IV leben: Kommunikation
Tag 18: kann man von Hartz IV leben: Verzicht
Tag 17: Kann man von Hartz IV leben: Forum
Tag 15: kann man von Hartz IV leben: Kassensturz
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Schussel
22. September 2008 um 11:18 Uhr
Die Antwort lautet: Du wirst beim Bäcker ums Eck abgezockt (bzw. zahlst dafür, dass da jemand an der Theke steht, statt ein maschinell verpacktes und gebackenes Brot aus dem Regal im Discounter zu nehmen). Man muss sich das mal ansehen: in vielen Bäckereien stehen zwei Leute hinter der Theke, die hauptsächlich morgens verkaufen und zwar nur Backwaren. Im Lidl sitzen tagsüber auch 2-3 Leute an der Kasse, die wesentlich mehr Umsatz über sämtliche Lebensmittel und Zusatzangebote generieren. Ich würde sagen, der durchschnittliche Umsatz pro Kunde liegt beim Bäcker bei 2-3 EUR, bei Lidl bei 15 EUR – 5facher Umsatz bei gleichem Personalbedarf, einfach so. Und ich würde wetten, dass Lidl wesentlich mehr Kunden pro Tag bedient, also nochmal wesentlich höherer Umsatz. Die Bäckergehilfen stehen in der Zeit an der Theke und warten auf den nächsten Brotkunden.
Maschinen sind billig; Backmaschinen und Verpackungsmaschinen sind nicht besonders aufwendig. Wären solche Prozesse so teuer, dann könnten keine Plastik- oder Elektronikteile für Bruchteile von cents hergestellt werden (ja, auch in Deutschland). Man kann sich kaum vorstellen, wie schnell und damit preisgünstig solche automatischen Prozesse heutzutage ablaufen.
Mehl ist billig; der momentane Preis liegt laut der Welt bei ca. 200 -250 EUR pro Tonne. Auch das: in Deutschland. Macht also maximal 25 cent pro Kilo, für ein 500 Gramm-Brot brauchst Du ca. 300 g Mehl, also höchstens ca. 8 cent Mehlkosten, vermutlich eher weniger – ganz ohne minderwertige Mehlreste oder Mehl aus Korea.
Du kannst also meiner Meinung nach ganz beruhigt das 55-cent-Brot kaufen, solange Du damit leben kannst, dass der Teig von großen Maschinen gerührt wird, von großen Maschinen gebacken wird und anschließend von großen Maschinen verpackt und verladen wird.
Die Gewinnspanne für den Händler (Lidl) ist übrigens meist ziemlich gering – die Discounter arbeiten über die Mengen und den geringen Lagerbedarf (eingeschränktes Sortiment). 100.000 mal 2 cent (so ganz ins Blaue) sind auch 20.000 EUR.
Schussels last blog post..Halbzeit
sue
22. September 2008 um 12:50 Uhr
es muss nicht erst korea sein – ein artikel in der zeit vom mai diesen jahres bringt auch schon licht in die sache:
http://www.zeit.de/2008/19/Wallraff-19
vielleicht ist das ja bei brot ein ganz klein bisschen anders… aber so gravierend werden die unterschiede nicht sein.
Abraxa
22. September 2008 um 13:12 Uhr
ich backe mein brot am liebsten selber. 1 Kilo Mehl kostet 52 Cent, Hefe kostet fast nichts, und sonstige Zutaten auch kaum, solange man keine Körner, oder gesundes mehl möchte. Wenn ich das möchte kaufe ich Brotbackmischungen :)
Nur habe ich noch nicht herausbekommen wie das Brot weich bleibt in der Kruste nach 2-3 Tagen, so dass man die Kruste weiter irgendwie essen kann :)
Abraxas last blog post..was würdet ihr machen?
Petra
22. September 2008 um 17:45 Uhr
Da liegt die Wahrheit wohl irgendwo zwischen Herrn Walraff und schussel. Dann ist mir die Variante von Abraxa doch die liebste!