Karriereberatung: 7 Berufe prägen eine Frau
Woche 2 ist vorbei, wir essen Fleisch, trinken Wein, kaufen BIO-Obst, machen Sport, kochen Espresso und backen Kuchen.
Wir kaufen bewußter ein, leben aber ansonsten ganz normal weiter.
Diese Woche haben wir ausgegeben:
Lebensmittel 92,48 EUR
Milch 2,97 EUR
2 Espressotassen 14 EUR
Kopiergeld Schule 10 EUR
wöchentliche Umlage Zeitschriften, Kaffeekapseln 16 EUR
Sportverein Monatsbeitrag 11 EUR
Brot/Brötchen 6,47 EUR
2 Tischtennisschläger 9,98 EUR
Schwimmbad 5,40 EUR
Somit sind diese Woche knapp 170 EUR weg, 80 EUR haben wir noch übrig. Dann können wir ja doch die Herbstjacke bestellen: Jubel! Oder lieber für den Urlaub sparen? Oder Rücklagen für die nächste Klassenfahrt bilden?
Die verringerten Hartz IV-Sätze führen bei uns nun dazu, dass wir dauernd im ‘entweder-oder’ leben. Wir denken schon darüber nach, das Auto abzuschaffen. Für 375 EUR kann man viel Bahn und Taxi fahren und die meisten Besucher kommen eh zu uns, so dass wir gar nicht soviel fahren. Wir müssen das mal genau durchrechnen, ob wir dadurch nicht deutlich an finanziellem Spielraum gewännen….
Die Leichtigkeit des Lebens aufzugeben (weil man alles erstmal durch rechnen muss, vergleichen muss, nie mal spontan sein kann) ist deutlich schlimmer als abends mal nur Abendbrot statt Rinderfilet zu essen.
Das ganze Experiment:
Tag 14: Kann man von Hartz IV leben: neue Regelsätze
Tag 13: Kann man von Hartz IV leben: Schulfest
Tag 12: Kann man von Hartz IV leben: sevenjobs fast im Fernsehen
Tag 11: Kann man von Hartz IV leben: Urlaub
Tag 8: Kann man von Hartz IV leben: Preisvergleich
Tag 7: Kann an von Hartz IV leben: Kassensturz
Tag 5: Kann man von Hartz IV leben: der Wohnraum
Tag 3: Kann man von Hartz IV leben: Kosten, Kosten, Kosten
Tag 2: Kann man von Hartz IV leben? Geld ausgeben…
Tag 1: Kann man von Harz IV leben? Geld verteilen…
Kann man von Harz IV leben: was tun mit den arbeitsbedingten Kosten?
Kann man von Harz IV leben: Wieviel Geld haben wir?
Kann man von Harz IV leben? Erste Vorbereitungen….
Kann man von Harz IV leben? Ein Sprung ins kalte Wasser…
Tweetkeine verwandten Artikel
buchstaeblich
15. September 2008 um 12:34 Uhr
Einfach die Einstellung wechseln:
Nicht mitrechnen, weil man muss, sondern weil man sich als Verbraucher so ungern vergackeiern lässt: So wird rasch ein Sport daraus, der sogar richtig Spaß macht!
buchstaeblichs last blog post..Dr. Buchstaeblichs Worte zum Sonntag X
Petra
15. September 2008 um 12:40 Uhr
Hier geht es ja nicht nur ums Mitrechnen, sondern auch ums Verzichten. Rechnen tun wir immer schon aus Prinzip, aber trotzdem gab es samstags auch mal die etwas teureren Käsebrötchen oder Rosinenbrötchen. Das ist jetzt nicht mehr spontan drin, oder es gibt dafür dann kein Fleisch. Immer dieses Abwägen: dazu fällt mir noch kein Sport ein..:-)
Schussel
21. September 2008 um 17:00 Uhr
Ja. Genau so. Ich habe gut gelebt, aber mein Leben lang (daheim und später mit Bafög) immer rechnen müssen – und diese Haltung wird man anscheinend sehr, sehr schwer wieder los. Seit drei Jahren verdiene ich reichlich Geld, aber ich muss immer (für mich) nachrechnen, ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir etwas gönne oder mal Essen gehe. Ich komme schwer damit zurecht, mir neue Kleidung zu kaufen, die über meinen gedanklichen Höchstsätzen liegt (die früher mal galten: kein T-Shirt über 10 EUR, keine Hose über 25). Ich erschrecke, wenn die Aldi-Rechnung über bestimmten Beträgen liegt (die sich aber langsam verschieben). Ich denke tagelang darüber nach, ob ich mir mal einen Kaffee unterwegs gönnen soll, den leckeren mit Karamellgeschmack (habe ich dieses Jahr zum ersten mal). Ich kriege geldbedingte Alpträume, obwohl inzwischen viel Erspartes vorhanden ist. Die Angst vor der Pleite sitzt mir nach 27 knappen Jahren so stark im Nacken, dass 3 fette Jahre sie anscheinend nicht gut machen können, und das belastet mich manchmal sehr stark. Aber es wird besser. Gaaanz langsam. Ich muss die Leichtigkeit des Lebens eben erst noch lernen.
Schussels last blog post..Wieder da
Petra
21. September 2008 um 18:00 Uhr
@schussel: die Leichtigkeit muss ja nicht bedeuten, dass man in die Verschwendung umschwenkt. Ich bin sehr froh, dass ich die Bodenständigkeit in guten zeiten nicht verlieren, weil ich mich immer an die schlechten erinnere. Und die können jederzeit wieder kommen. Wenn ich also nicht zu leicht leben, kann ich mich wesentlich unbeschwerter wieder beschränken und verfalle nicht in Depression.
Schussel
21. September 2008 um 18:38 Uhr
Nein, natürlich nicht bis zur Verschwendung. Da muss ich bei mir wohl keine Angst haben… aber wenn ich mich bei (wirklich benötigten) Kleidungskäufen schlecht fühle, oder selbst ein wohlverdientes Abendessen zu zweit im Restaurant (nicht gerade oft) nicht genießen kann, dann ist das eben auch nicht ideal. Das Mittelding wäre mir recht.
Zumindest ist es so wie geschrieben: sollten bei mir mal wieder schlechtere Zeiten kommen, dann weiss ich, dass ich auch mit deutlich weniger sehr gut leben kann. Das beruhigt mich durchaus.
Schussels last blog post..Halbzeit